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Kollektive Aktionen: Reisen aus der Stadt

Zweiter Band

ZEHN ERSCHEINUNGEN

16. ZEHN ERSCHEINUNGEN

In der Mitte eines großen Schneefeldes, das von einem Wald umgeben war, trafen die Veranstalter der Aktion mit den zehn Teilnehmern zusammen. Diese kannten weder den Titel der Aktion, noch wussten sie, was geschehen wird.
Auf einer im Schnee liegenden Tafel (60 x 90 cm) waren rundum zehn kleine Spulen befestigt, auf denen jeweils 200-300 Meter starker weißer Faden aufgewickelt waren. Die Teilnehmer erhielten die Aufgabe, das Fadenende jeweils einer dieser Spulen in die Hand zu nehmen und sich dann in strahlenförmiger Richtung von der Tafel aus auf den das Feld umgebenden Wald zu zubewegen, wobei sie den Faden von den Spulen abwickeln sollten. Die Teilnehmer setzten sich gleichzeitig – auf ein Startkommando hin – in Bewegung.
Die Teilnehmer hatten die Anweisung, nach dem Erreichen des Waldrandes noch etwa 50- 100 Meter weiter in den Wald hineinzugehen – so weit, bis sie das Feld nicht mehr sehen konnten.
Die Wegstrecke betrug also für jeden Teilnehmer 300-400 Meter, wobei die Fortbewegung mit erheblichen physischen Anstrengungen verbunden war, da die Schneedecke 50-100 cm hoch war. Am Ende seines Weges sollte jeder Teilnehmer (entsprechend der vorher gegebenen Instruktion) das entgegengesetzte Fadenende (dieses war nicht an der Spule festgemacht) zu sich heranziehen. An diesem Fadenende war ein kleiner Zettel mit einem faktographischen Text (Namen der Veranstalter, Ort und Zeit der Aktion) befestigt.
Da es keine weiteren Anweisungen gab, mussten die Teilnehmer in dieser Situation über ihr weiteres Handeln selbst entscheiden, d. h. sie konnten entweder zur Mitte des Feldes zurückkehren oder auch nicht, konnten also den Ort der Handlung verlassen und sich weiter in den Wald hineinbegeben.
Acht Teilnehmer kehrten im Verlauf einer Stunde zur Mitte des Feldes zurück (I. Pivovarova, N. Kozlov, V Skersis, L. Taločkin, O. Vasil’ev, I. Kabakov, I. Čujkov, Ju. Albert), wobei sieben von ihnen in ihren eigenen Spuren zurückkehrten und einer (N. Kozlov) einen benachbarten Pfad benutzte. Zwei Teilnehmer (Vs. Nekrasov und A. Žigalov) kehrten nicht zurück.
An die zurückgekehrten Teilnehmer verteilten die Veranstalter auf Karton geklebte Fotografien (30 x 40 cm). Auf jeder Fotografie war der Waldabschnitt zu sehen, auf den sich der jeweilige Teilnehmer zu Beginn der Aktion zubewegt hatte, außerdem eine in der Ferne kaum zu erkennende menschliche Figur, die gerade aus dem Wald erscheint. Die Fotografien waren mit Etiketten versehen, auf denen die Namen der Autoren dieser Aktion, deren Titel „Zehn Erscheinungen“ und das jeweilige auf der Fotografie dargestellte Ereignis (z. B.: „Das Erscheinen I. Čujkovs am 1 .2. 1981“) vermerkt waren. Die Fotografien waren eine Woche vor Durchführung der Aktion hergestellt worden: Die Veranstalter hatten sich selbst in der „Zone der Ununterscheidbarkeit“ fotografiert, wobei sie sich an den Richtungen orientiert hatten, in die die Teilnehmer während der Aktion geschickt wurden und von wo sie dann aus dem Wald wieder erschienen.

Gebiet Moskau, Savelovsker Bahnlinie, ein Feld bei dem Dorf Kievy Gorki
1. 2. 1981

A. Monastyrskij, G. Kizeval’ter, S. Romaško, N. Alekseev, I. Makarevič, E. Elagina

übersetzt von Günter Hirt & Sascha Wonders

ZEHN ERSCHEINUNGEN. Foto doska-kakSCAN-BIG
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