БЕЛЫЙ ТЕКСТ НА ЧЕРНОМ ФОНЕ
ЧЕРНЫЙ ТЕКСТ НА БЕЛОМ ФОНЕ

Marija Čujkova

Über die Aktion LINK, Bochum, 21. September 1990

Die Geschichte von S. Hänsgens Kunstledertasche mit den Scherben der blauen Vase

1990 machten Anufriev und ich zum ersten Mal in den westlichen Bundesländern  Station anlässlich der Ausstellung "Orthodoxe Ablutschungen. Umschläge und Abschlüsse" in der Kunsthalle Düsseldorf, die damals von Jürgen Harten geleitet wurde.
Ende September besuchten wir S. Hänsgen und A. Monastyrskij in Bochum, die für S. Anufriev die Aktion Link vorbereitet hatten. Den Ort für die Aktion fanden sie in der Abteilung für Urpflanzen des Botanischen Gartens der Universität auf einer Brücke über den Lottenbach, der in den Ölbach mündet, der wiederum in die Ruhr fließt, deren Wasser in Holland in die Maas gelangen, wo diese sich mit dem Rhein vereinigt und dann in die Nordsee fließt.

Auch wenn bei der Aktion Materialien aus der Welt der Computerspiele verwendet wurden (Bilder, Musik, Videoaufzeichnung eines Spiels) und der Titel selbst der Computerterminologie entlehnt war, beeindruckten mich vor allem die Naturereignisse, die genau auf den zeitlichen Verlauf der Aktion abgestimmt waren. Ein strahlend sonniger Septembertag zu Beginn wurde während der Aktion durch dramatische schwarze Wolken mit sintflutartigem Regen abgelöst – aber es hellte sich sofort wieder ganz unschuldig auf, nachdem die blaue Vase mit einem Hammer zerschlagen wurde. Über solche die Kollektiven Aktionen begleitenden Wettererscheinungen habe ich schon oft in den Dokumentationsbänden "Reisen aus der Stadt" gelesen, wie beispielsweise über die berühmten Ereignisse während der Aktion "Winde", aber in der Realität habe ich sie zum ersten Mal erlebt!

Nach der Aktion wurden die Scherben der blauen Vase in Sabine Hänsgens schwarzer Kunstlederhandtasche gesammelt und Anufriev zusammen mit der dazugehörigen Dokumentation übergeben. Nach der Aktion reisten Anufriev und ich zwei Monate lang weiter an verschiedene Orte im Westen - aus Gründen, die nicht von uns abhingen, mussten wir in Düsseldorf und Köln mehrmals die Wohnung wechseln, und wir besuchten sogar Amsterdam und Den Haag. Überallhin begleitete uns eine unglaubliche Menge an Dingen und diese Tasche mit der ehemaligen Vase. Zu Beginn des Winters kehrten wir mit einer noch größeren Fracht und der unveränderten Tasche nach Moskau zurück. Dort fanden wir einen Platz für sie auf der Fensterbank in unserem Zimmer an der Udalcov Straße, wo sie zwei Jahre verblieb.

Bei einer Aufräumaktion in der Wohnung an der Udalcov Straße im Jahr 1993 beschloss ich plötzlich, das ruhige Leben der Tasche mit den Scherben der blauen Vase zu beenden. Am nächsten Morgen brachte ich sie nach Zagorsk (Sergiev Posad), wo ich sie den Frühlingsfluten des Flusses Končura überließ, der in den Fluss Torgoša mündet, der wiederum in den Fluss Vorja fließt, der ein Arm des Flusses Kljazma ist, der zur Oka führt und in die Wolga fließt, bis hin zum Kaspischen Meer.

Moskau, 8. Juli 2020

 


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Sabine Hänsgen, Andrei Monastyrski. Dialog über die Losungen der „Kollektiven Aktionen“

Sabine Hänsgen: video poiesis

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MOSKAUER KONCEPTUALISMUS

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